Triebwagen 620

Im Jahr 1968 konzipierte die BOGESTRA in Zusammenarbeit mit ­Siemens einen modernen Schulungswagen auf technischer Basis der bereits fast vollständig in Betrieb stehenden 91 Triebwagen der ­Gattung GT6. Dieser Wagen ist als Vierachser gebaut worden und ­verfügt über die gleiche technische Ausstattung wie die sechsachsigen Linienwagen.

Dieser Wagen löste den bisher als Fahrschulwagen genutzten Zweiachser ab. Er verfügt an jedem Fahrzeugende, jeweils links hinter dem Fahrersitz, über ein zusätzliches, komplett ausgestattetes Fahrerpult. ­Dadurch ist es dem Fahrlehrer jederzeit möglich, die Handlungen und Reaktionen des Fahrschülers zu kontrollieren und gegebenenfalls zu ­korrigieren. Die Fahrschalterhebel von Fahrschüler und Fahrlehrer sind mechanisch miteinander gekoppelt. Der Fahrlehrer hat über sein Pult ­außerdem eine Vielzahl von Möglichkeiten, mögliche im Fahrbetrieb ­auftretende Störungen zu simulieren. So kann er beispielsweise einzelne oder mehrere Bremssysteme, Fahrmotoren oder aber den Fahrstrom abschalten, um die Reaktion des Fahrschülers zu prüfen.

Der Innenraum des Wagens besteht aus mehreren Sitzgruppen mit ­großen Tischen, auf denen die Schulungsunterlagen bearbeitet werden können. Rollos an allen Fenstern, Vorhänge jeweils zu den Führerständen sowie eine Projektionsleinwand und 220-Volt-Steckdosen ermöglichten sowohl den Einsatz von Dia- oder Filmprojektoren als auch den Einsatz ­eines Overheadprojektors. So konnte der Wagen auch als Schulungsraum eingesetzt und die dort vermittelten theoretischen Erkenntnisse konnten gleich auf freier Strecke in die Praxis umgesetzt werden. Der Wagen ist außerdem mit einem eigenen Stromzähler ausgestattet, um den Fahrschülern eine energiesparende Fahrweise vermitteln zu können.

Der Wagen wurde Mitte der 90er Jahre in die zu der Zeit aktuelle CityBahn-Lackierung umlackiert, befindet sich jedoch seit Mitte 2002 ­wieder in ursprünglichem Look. Obwohl sich der Wagen im Besitz der ­Verkehrshistorischen Arbeitsgemeinschaft befindet, wird er sporadisch auch noch von der BOGESTRA als Fahrschulwagen genutzt, um die heutigen Fahrschüler einmal die Grenzen der Physik „erfahren“ zu ­lassen. Die heutigen moderneren Wagen ­werden schließlich fast ­vollständig automatisch geregelt und so geht das „Gefühl zur Schiene“ ein wenig verloren. Nicht zuletzt ist auch der Umgang mit alter Technik ­immer wieder interessant und aufschlussreich.

Aus technischen Gründen ist das Fahrzeug derzeit nur eingeschränkt auf dem Schienennetz der BOGESTRA einsetzbar.

Wichtige technische Daten

Typ: Zweirichtungswagen
Hersteller: Düwag
Baujahr: 1968
Achsfolge: B’ B’
Höchstgeschwindigkeit: 70 km/h
Länge über Kupplung: 14,4 m
Fahrzeugbreite: 2,20 m
Fahrzeughöhe: 3,30 m
Masse: 17,1 t
Zugbildung: Einzeltraktion
Netzspannung: 600 V
Leistung: 2 x 140 kW
Spurweite: 1000 mm
Sitzplätze: 24 Sitz- + 2 Fahrleherpl.
Achsstand: 1,80 m
Drehgestellmittenabstand: 6 m




Fahrzeug-Info-Flyer als PDF-Download

Das »rollende Klassenzimmer«
Über diese Schalttafel können verschiedene Störungen am Fahrzeug simuliert werden
Tw 620 unterwegs in Wattenscheid
Der Fahrschulwagen wird mit Sand betankt.
Tw 620 im schnittigen CityBahn-Look